Einzelfallbetrachtung bei Zustandsbewertung nach DIN-EN DWA, so gehen Sie vor

Okt 14, 2018

Mit dem cseTools Kanalkataster lassen sich nicht nur Inspektionsdaten einlesen und verwalten, es lässt sich auch eine vollständige Zustandsbewertung nach den geltenden Vorschriften und Regelwerken durchführen.

Bei der Bewertung nach DIN-EN DWA gibt es jedoch die Besonderheit, dass unter bestimmten Voraussetzungen eine Einzelfallbetrachtung notwendig ist. Das bedeutet, dass die DWA hier keine Empfehlung für die Zuordnung einer bestimmten Schadensklasse abgibt.

In diesem Artikel möchten wir Ihnen aufzeigen, wie Sie die Notwendigkeit einer Einzelfallbetrachtung erkennen und entsprechend handeln können.

Je nachdem welches Kodiersystem für die Erfassung des Kanalzustands verwendet wurde, können Sie mit dem cseTools Kanalkataster eine Zustandsbewertung nach ISYBAU, ATV, DIN 1986-30 oder nach der DIN-EN 13508-2 entsprechend den Vorgaben der DWA oder der Arbeitshilfen Abwasser (ISYBAU) durchführen.

Mehr Infos zum Thema Zustandsbewertung finden Sie in einer unserer Pressemeldungen vom Januar 2017. Zustandsbewertung nach aktuellen 2015er Bewertungsverfahren für Kanäle.

Ich möchte das Thema Einzelfallbetrachtung hier gerne am Beispiel des Schadens Rissbildung (Rissbreite 3mm), Riss, komplexe Rissbildung erläutern. Es liegt also der Schadenscode BABBC mit dem Zusatz 3 nach M143 vor.

Nach dem Merkblatt DWA-M 149-3, Anhang A, Tabelle A.5: Rissbildung ist für dieses Schadensbild eine Einzelfallbetrachtung empfohlen.

Wie erkenne ich, dass eine Einzelfallbetrachtung notwendig ist?

Grundsätzlich ist das nach der Zustandsbewertung anhand des Bewertungsprotokolls nicht erkennbar. Der Grund ist, dass hier die Haltungsweisen Bewertungen angegeben werden und nicht für jeden Einzelschaden.

Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten herauszufinden, ob eine Einzelfallbetrachtung notwendig ist.

Variante 1: Kontrolle über Berichtausgabe

Hierfür geht man jetzt in die Liste der Bewertungsdaten und lässt sich dort für die Einzelschäden die Liste der Bewertungsdaten der Zustandsbewertung ausgeben.

Screenshots Ausgabe Liste der Bewertungsdaten

Variante 2: Einzelfallbetrachtungen per Abfrage suchen

Über das Menü Auswerten -> Abfragen gibt es im Auslieferungszustand bereits eine vordefinierte Abfrage Einzelfallbetrachtung in der Kategorie Schaden-Haltung.

Screenshot Abfrage nach Einzelfallbetrachtungen

Werden beim Durchführen der Abfrage notwendige Einzelfallbetrachtungen ermittelt, werden diese rechts in der Ergebnisliste angezeigt. Dieses Ergebnis lässt sich jetzt filtern (blauer Pfeil auf dem Screenshot) um die Einzelschäden gleich im Datenbankdialog besser zu finden.

Einzelfallbetrachtung kontrollieren

Rufen Sie jetzt Datenbank -> Haltungsschaden auf. Suchen Sie jetzt den (oder mehrere) ermittelten Einzelschaden. Wenn Sie nach Variante 2 vorgegangen sind, wählen Sie im Datenbankdialog die Anzeige nur der gefilterten Elemente auf.

Screenshot Datenbankdialog Haltungsschaden mit Einzelfallbetrachtung

Im rot markierten Bereich sehen Sie jetzt hervorgehoben, dass eine Einzelfallbetrachtung für die Dichtheit, Standsicherheit oder Betriebssicherheit notwendig ist.

WICHTIG: Sie erkennen auch, dass dieser Schaden erst mal die Schadensklasse 0, also höchste Priorität, erhalten hat. Das hat einfach den Grund, dass die cseTools diesen Schaden nicht mit “-1“ (steht für „nicht bewertet“) stehen lassen, sondern aufgrund der Ungewissheit der Auswirkung dieses Schadens zunächst die höchste Priorität vergeben.

Wie zu erkennen ist, lassen sich die automatischen Schadensklassen an der Stelle nicht manipulieren, es muss im Fall der Einzelfallbetrachtung als ab sofort mit den manuellen Schadensklassen weitergearbeitet werden.

Dabei ist es wichtig, dass nicht nur die Schadensklassen der Einzelschäden auf manuell übernommen werden, sondern auch die Haltungsklasse des gesamten Objekts.

Automatische Schadensklassen auf manuelle Schadensklassen übernehmen

Hierfür wird die Funktion Berechnen -> DB-Feld numerisch verwendet.

Im ersten Schritt sollte bei Netzelement = Schaden-Haltung eingestellt werden. Die Formeln für das Übernehmen der Schadensklassen müssen Sie sich nicht selbst zusammenstellen, hierfür liefern wir mit der Software bereits vordefinierte Formeln aus. Gehen Sie also auch Datei -> Laden.

Screenshot Vordefinierte Formeln zum synchronisieren der Schadensklassen (automatisch auf manuell)

Suchen Sie sich jetzt die drei im Screenshot markierten Formeln heraus. Hier noch mal der Hinweis, dass es sich in dem Beispiel dieses Artikels um einen Haltungsschaden handelt. Wenn es sich bei Ihnen um einen Schachtschaden oder Schäden an Anschlussleitungen handelt, finden Sie natürlich die entsprechenden Formeln ebenfalls dort.

Führen Sie jetzt die Berechnung jeder der drei Formeln nacheinander für alle Netzelemente durch.

Screenshot Berechnen DB-Feld numerisch

Um jetzt noch die automatischen Haltungsklassen auf die manuellen zu übernehmen, stellen Sie bei Netzelement = Zustandsdaten Haltung ein und laden hierfür die Formel „Zustandsdaten-Haltung_Übertragung Haltungsklasse automatisch nach manuell“.

Führen Sie diese Berechnung wie auch schon im vorherigen Schritt durch.

So geht es jetzt weiter…

Wie man sieht, sind die manuellen Schadensklassen jetzt synchron zu den automatischen Schadensklassen. Jetzt muss nur noch vom Projektbearbeiter entschieden werden, welche Schadensklasse der Schaden für Dichtheit, Standsicherheit bzw. Betriebssicherheit bekommt.

Screenshot Datenbankdialog Haltungsschaden mit Einzelfallbetrachtung und manuellen Schadensklassen

Ab diesem Zeitpunkt wird also immer nur noch mit den manuellen Schadensklassen weitergearbeitet. Dabei ist darauf zu achten, an jeder Stelle, wo eine Auswahl möglich ist, die manuellen Schadensklassen zu verwenden. So z.B. bei beim Erzeugen einer Sanierungskalkulation, für Berichtsausgaben, Abfragen etc.

An den meisten Stellen innerhalb der cseTools Module Kanalkataster bzw. auch Kanalsanierung gibt es die Wahlmöglichkeit bzw. sind bereits auch entsprechende Pendants zur Verwendung der automatischen Schadensklasse vordefiniert.


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