Ein erfreulich produktives Wochenende

Feb 22, 2019

Spritzguss-Formenbau mit BricsCAD Mechanical V19

Thorsten Stüker, von Haus aus Elektromechaniker und Physiker, arbeitet mit CAD seit über 20 Jahren. Seine Firma, die Stüker KG, besteht in einer Kombination aus Konstruktionsbüro und Werkzeugmacherei; sie ermöglicht ihm sowohl den Entwurf als auch die Umsetzung eigener Geräte für die Medizintechnik. Von Harald Vogel.

Herr Stüker, wie setzen Sie BricsCAD Mechanical ein?
Wir nutzen Mechanical als System für die Maschinen- und Anlagenkonstruktion und erstellen damit auch Spritz- und Druckgusswerkzeuge. Zudem arbeite ich lieber mit Linux als mit Windows, und in dieser Kombination ist BricsCAD die einzige Lösung.

Eine komplette Spritzgussform mit Normalien und einliegendem Modell in BricsCAD Mechanical
Eine komplette Spritzgussform mit Normalien und einliegendem Modell in BricsCAD Mechanical


Das sind ja eigentlich typische MCAD-Domänen…
BricsCAD ist eine absolute Alternative zu MCAD. Die Arbeitsweise entspricht derjenigen von AutoCAD, d.h. die Befehle und Schalter sind identisch, ich kann mir die Oberfläche so einrichten, wie ich sie haben will. Ich kann hier wie dort wählen, ob ich lieber mit Menüs und Symbolleisten, mit dem Ribbon oder mit der Kommandozeile arbeiten will. Durch Letztere habe ich natürlich mehr Bildschirm zur Verfügung. Ich kann hier also mein gesamtes AutoCAD-Know-How zum Einsatz bringen.

Und die Unterschiede?
BricsCAD geht wesentlich weiter, was die Modellierung angeht. Damit ist wirtschaftliches und rationelles Konstruieren wirklich problemlos. Auch die Zeichnungsableitung ist sehr komfortabel, man kann mit ein paar Mausklicks beliebige Schnitte und Details anfertigen. Hier geht einfach alles schneller und angenehmer als mit einem klassischen MCAD-System.

Können Sie das erläutern?
Nun, ich muss nicht drei verschiedenartige, zueinander inkompatible Datei-Arten für Modelle, Baugruppen und Zeichnungen benutzen, sondern ich habe immer alles in ein und derselben Datei, und die ist obendrein nichts weiter als ein Standard-DWG! Das eröffnet mir sehr große Freiheiten bei der Baugruppenkonstruktion, denn ich bin nicht mehr gezwungen, eine Datei-Hierarchie aus Teilen und Baugruppen vorzusehen, sondern ich kann einfach anfangen zu modellieren. Die fertigen Solids kann ich auch später noch auf einzelne Dateien verteilen – wenn ich das will.

Modellieren Sie auch im Baugruppen-Kontext?
Sicher. Ich kann Top-Down und Bottom-Up arbeiten, kann diese Methoden aber auch gemischt und je nach Bedarf anwenden. In Mechanical führt immer ein Weg zurück – anders als im MCAD.

Die untere Hälfte der Gussform mit einliegendem Modell (markiert)

Die untere Hälfte der Gussform mit einliegendem Modell (markiert)


Wie finden Sie eigentlich die Direktmodellierung selbst?
Das Solid-Modeling in BricsCAD ist sehr gut durchdacht, sehr schnell und einfach zu bedienen. Für die parametrisch-historienbasierte Konstruktion des MCAD muss man langwierige und teure Schulungen belegen. Ich habe einem meiner Mitarbeiter die Modellierung mit BricsCAD einfach selber beigebracht, und er hat es rasch begriffen. Er assistiert heute in der Konstruktionsabteilung.

Wenn Sie viel mit einem MCAD-System gearbeitet haben, fehlt Ihnen da nicht der Historienbaum mit seiner Ordnung und seiner Gliederung?
Ja, die Erstellungshistorie fehlt zwar, aber ich ersetze sie einfach durch die 3D-Abhängigkeiten und den Mechanical Browser. BricsCAD ist ja trotzdem voll parametrisch – genau wie ein MCAD-Programm!

Wie steht’s mit Gleichungen und Formelbeziehungen?
Die mathematischen Beziehungen entsprechen etwa dem Umfang gängiger MCAD-Programme der Mittelklasse. Wo BricsCAD jedoch wirklich punktet, das ist die Geschwindigkeit des Modellierens! Die Werkzeugkonstruktion aus dem Beispiel hat inklusive Artikelkonstruktion und Zeichnungsableitung ganze vier Stunden gedauert. Selbst mit meinem MCAD-System hätte ich wenigstens die doppelte Zeit dafür gebraucht.

Was sind die Hauptvorteile an BricsCAD Mechanical?
Einerseits die Geschwindigkeit, wie gesagt, andererseits aber auch die Lernkurve: Die parametrische Direktmodellierung ist sehr leicht zu erlernen. Eine Bohrung besteht aus einem Kreis, den man ohne Konstruktionsebene oder Skizze einfach auf ein Modell zeichnet und dann extrudiert – eine Sache von Sekunden! Selbst gestandene 2D-Zeichner verstehen sie auf Anhieb umzusetzen. Es gibt auch keine Konzeptbrüche: Den 3D-Skizzen und den 2D-Zeichnungen zum Beispiel liegen exakt die gleichen Funktionen zugrunde – und das heißt: Lernen Sie eins, dann können Sie beide!

Gibt es trotz der flachen Hierarchie eine Möglichkeit, Teile und Baugruppen voneinander zu unterscheiden?
Ich kann eine Gruppe von Solids als externe Referenz auslagern. Das wäre faktisch eine Untergruppe, die sich in der Hauptgruppe nicht bearbeiten lässt. Ich kann die Gruppe aber ebenso gut lokal und auf Wunsch editierbar in der aktuellen Datei ablegen. Diese Eigenschaften kann ich dann jederzeit und für jede Komponente umschalten.

Was finden Sie sonst noch gut an BricsCAD?
BricsCAD verfügt wegen seiner Herkunft als 2D-Zeichenprogramm von Haus aus über eine vollständige, normgerechte Detaillierung, wie Sie sie in den meisten MCAD-Lösungen nicht finden werden.
 

Die Zeichnungsableitung der unteren Formhälfte mit Schnittansichten und Detaillierung
Die Zeichnungsableitung der unteren Formhälfte mit Schnittansichten und Detaillierung

Wie haben Sie den CAM-Part gelöst?
ACIS–Export. Billig und gut.
 

Vielen Dank, Herr Stüker!

Das Gespräch führte Harald Vogel

Info: Thorsten Stüker | Stüker KG, Werkzeugbau | 32760 Detmold
eMail: stüker@stüker.org


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